Seite erstellt am 18.08.1998
 Seite aktualisiert am 18.07.2012

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Fortbildung 'Psychologische Gesundheitsförderung' >
Konzeption

Durch eine von der Deutschen Psychologen Akademie (DPA) des BDP initiierte Arbeitsgruppe ist unter der Mitwirkung dreier maßgeblicher Verbände - Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) e.V., Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP) - 1995 eine Fortbildung „Psychologische Gesundheitsförderung" für Diplom-PsychologInnen  entstanden. Die Fortbildungskonzeption ist durch die Kooperation der Fachbereichsleitung Gesundheitspsychologie mit den Sprechern der DGPs-Fachgruppe Gesundheitspsychologie 2004 erneuert und im BDP seit 2005 gültig. Zum vollständigen Text zur Fortbildung

Nachfolgend wird die Fortbildungskonzeption veröffentlicht.

Gliederung der Konzeption

1. Rahmen und Zielsetzungen der Fortbildung

2. Zertifikat "Psychologische Gesundheitsförderung und Prävention BDP"

2.1 Module für das Fortbildungszertifikat

2.2 Wege zur Zertifizierung

2.3 Dienstleistungsbezeichnung nach der Zertifizierung

Zur ausführlichen Darstellung der Fortbildungskonzeption als Textdatei (RTF) 


1. Rahmen und Zielsetzungen der Fortbildung

Gesundheitsförderung ist ein gesamt- und gesundheitspolitisches Handlungsfeld mit herausragender gesellschaftlicher Bedeutung. Sie basiert auf einem positiven Gesundheitsverständnis, sie umfasst die Tätigkeitsfelder der Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation und gilt als interdisziplinäres Feld.

Maßnahmen der Psychologischen Gesundheitsförderung wenden sich an Individuen, Familien und sonstige Gemeinschaften/Gruppen, an Organisationen sowie an das Gesamtsystem des Gesundheitswesens. Sie dienen zur Verbreitung gesundheitsförderlicher Erkenntnisse, Einstellungen, Kommunikationen und Handlungsmöglichkeiten. Sie umfassen Aspekte der Gesundheitsbildung, präventive und rehabilitative Aspekte und Coping-Aspekte.

Im Rahmen der nationalen und europäischen Erneuerungsbestrebungen von Aus-, Fort- und Weiterbildungen in Psychologie (Umwandlung von Diplom-Studiengängen in Bachelor- und Master-Studiengänge, Europäisches Diplom in Psychologie, Fachpsychologen-Konzeption des BDP) lässt sich die Fortbildung „Psychologische Gesundheitsförderung“ für Diplom-PsychologInnen (FPG) idealerweise in die 2. Studienphase mit Gesundheitspsychologie als Anwendungsfach an Universitäten und in ein supervidiertes Praxisjahr im Gesundheitsbereich platzieren. Die FPG zielt auf eine Qualifizierung zur hauptberuflichen, selbstständigen und eigenverantwortlichen Berufsausübung als Psychologin oder Psychologe, analog zur berufsfeldspezifischen Qualifizierung durch ein Europäisches Diplom in Psychologie; sie zielt noch nicht auf eine Qualifizierung im Sinne eines Fachpsychologen-Titels.

Die FPG lässt sich für 3 abgestufte Zielsetzungen nutzen:

  1. Wissenserweiterung durch einzelne Fortbildungsseminare, z.B. zu Gesundheitspsychologie als Fachgebiet, zu gesundheitspsychologischen Berufsfeldern und Möglichkeiten zur Existenzgründung;
  2. Praxiskompetenzen für Gesundheitsberatungen und -trainings, z.B. Kursleiterschulungen für spezifische Gesundheitstrainings und Präventionskurse bei Krankenkassen, beispielsweise durch die „Kompaktfortbildung 'Angewandte Gesundheitspsychologie'“ bei der DPA;
  3. Qualifizierung und Zertifizierung für eine hauptberufliche selbstständige Berufstätigkeit, z.B. für Anstellungen im Gesundheits- und Präventionsmanagement bei Krankenkassen, für Beratungs- und Fortbildungstätigkeiten bei Gesundheits-, Bildungs- und Sozialorganisationen, Zertifikat zur Berechtigung der Dienstleistungsbezeichnung „Psychologische Gesundheitsförderung und Prävention BDP“.

Bezüglich des Bedarfs an psychologischen Fachkompetenzen für eine berufliche Tätigkeit im Feld der Gesundheitsförderung sollte die Fortbildung folgende Qualifikationen ermöglichen:

  • vertiefte Kenntnisse in der Gesundheitspsychologie

  • praxisbezogene Handlungskompetenzen zur Förderung von gesundheitsbezogenen Selbstkompetenzen (Motivation, Selbstmanagement, Selbsthilfe) bei Individuen in verschiedenen Lebensphasen, in Gruppen, und in Gemeinschaften durch Einzelarbeit, Gruppenarbeit und setting-orientierte Arbeit

  • systemische Gesundheitsanalyse und Gesundheitsförderung von Gesundheitssystemen bei Individuen, Familien, Gemeinschaften, Gruppen, Organisationen, bei der Bevölkerung und im gesellschaftlichen Gesamtsystem

  • Konzeption, Durchführung und Evaluation von person- und systemzentrierten Gesundheitsprojekten für die Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation

  • Informations-, Organisations- und Qualitätsmanagement in Organisationen des Gesundheitswesens

  • Aus-, Fort-, Weiterbildung und Supervision für Gesundheitsberufe und ehrenamtliche HelferInnen im Gesundheitsbereich

  • interdisziplinäre Kooperationsfähigkeit

2. Zertifikat "Psychologische Gesundheitsförderung und Prävention BDP"

2.1 Module für das Fortbildungszertifikat

Der Weg zum Fortbildungszertifikat „Psychologische Gesundheitsförderung und Prävention BDP“ führt über folgende Fortbildungsmodule:

A: Grundlagen: theoretische und methodische Grundlagen

A1.1 Gesundheitspsychologische Grundlagen

A1.2 Medizinische und epidemiologische Grundlagen

A2.1 Methoden der Motivation und des Selbstmanagements

A2.2 Methoden der Gruppenarbeit und Moderation

Diese 4 Module sind für eine Zertifizierung als Pflichtmodule mit einem Mindestumfang von je 16 Unterrichtseinheiten (UE) zu absolvieren.

B: Spezifische Anwendungen

Der Anwendungsbereich der Fortbildung umfasst verschiedene Bereichen (B1 - B3) und Themengebiete (B1.1 - B3.2) mit beispielhaften Einzelthemen (B1.1.1 – B1.5.4):

B1 Personzentrierte Gesundheitsförderung

B1.1 Förderung allgemeiner Kompetenzen für eine gesunde Lebensführung, z.B.

B1.1.1 Zentrale psychologische Konzepte für ein gesundheitsförderndes Selbstverständnis (...)

B1.1.2 Gesundheitsfördernder Umgang mit Gedanken und Gefühlen

B1.1.3 Körperwahrnehmung, Körpererleben und Gesundheit

B1.1.4 Entspannung

B1.1.5 Stressbewältigung im Alltag

B1.1.6 Förderung sozialer Kompetenzen

B1.1.7 Fördernder Umgang mit sozialer Unterstützung

B1.1.8 Partnerschaft und Sexualität

B1.2 Gesundheitsspezifische Lebensweisen: Ressourcen und Risiken, z.B.

B1.2.1 Sport, Bewegung, Ausdauer

B1.2.2 Körperhaltung und Alltagsergonomie

B1.2.3 Ernährung und Eßverhalten

B1.2.4 Sicherheitsverhalten und Unfallvermeidung

B1.2.5 Schlaf- und Wachrhythmen / gesundheitsgerechte Zeitstrukturierung

B1.2.6 Umgang mit stoffgebundenen Suchtmitteln: Nikotin, Alkohol, Drogen, Medikamente

B1.3 Entwicklungsbezogene Gesundheitsförderung und Prävention, z.B.

B1.3.1 Prinzipien der Entwicklungsorientierung in der Gesundheitsförderung

B1.3.2 Geburtsvorbereitung, Säuglingsbetreuung, Kleinkindalter; Adoption

B1.3.3 Entwicklungsaufgaben bei besonderen Familienstrukturen

B1.3.4 Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter

B1.3.6 Altern in Gesundheit

B1.4 Gesundheitsförderung bei kritischen Lebensereignissen, z.B.

B1.4.1 Erleben von Verlust (Trennung, Scheidung, Tod)

B1.4.2 Veränderungen in bezug auf das Berufsleben, ...

B1.4.3 Arbeitslosigkeit

B1.4.4 Posttraumatischer Streß

B1.4.5 Belastende medizinische Diagnosen und Behandlungen

B1.5 Prävention und Gesundheitsförderung bei chronischen Erkrankungen, z.B.

B1.5.1 Primäre Prävention: Verhalten und Krankheitsrisiko

B1.5.2 Sekundäre Prävention: Vorsorge, Risikowahrnehmung, Früherkennung

B1.5.3 Betreuung der Angehörigen (erkrankter und behinderter Menschen)

B1.5.4 Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung (z.B. Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen, chronische Schmerzerkrankungen, körperliche Behinderung, Rehabilitation nach Unfällen, ...)

B2 Strukturzentrierte Gesundheitsförderung

B2.1 Anleitung und Betreuung von Selbsthilfegruppen

B2.2 Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt

B2.3 Gesundheitsförderung in der Familie

B2.4 Gesundheitsförderung in der Schule

B2.5 Gesundheitsförderung in Kommunen

B3 Unterricht und Management in der Gesundheitsförderung

B3.1 Unterricht in der Gesundheitsförderung

B3.2 Management in der Gesundheitsförderung

Für eine Zertifizierung sind 3 unterschiedliche Anwendungsbereiche zu wählen (Modul 5 – 7):

  • ein Anwendungsbereich aus B1.1
  • ein Anwendungsbereich aus B1.2 - B1.5
  • ein Anwendungsbereich aus B2 oder B3

Für einen Anwendungsbereich sollte eine Fortbildung von mindestens 40 UE mit Praxiserfahrung vorliegen, für die zwei anderen Anwendungsbereiche eine Fortbildung von mindestens 16 UE.

C: Durchführung und Dokumentation eines Gesundheitsprojektes unter Supervision

Für die Zertifizierung ist ein Projekt zur Gesundheitsförderung durchzuführen,

  • begleitet durch Supervision unter fachlicher Aufsicht (Modul 8 - C1),
  • dokumentiert durch einen schriftlichen Abschlussbericht zur theoretischen und didaktischen Planung sowie zur Durchführung und Evaluation des Projektes (Modul 9 - C2).

2.2 Wege zur Zertifizierung

Teilqualifikationen im Sinne der genannten Module 1 - 9 können auf vielfältigen Wegen erworben und nachgewiesen werden:

  • Seminare in Universitäten in anwendungsorientierten Fachgebieten während und nach dem Studium

  • Fortbildungen bei der DPA GmbH und anderen Trägern (z.B. IFT)

  • postgraduale Weiterbildungen (z.B. zur Psychotherapie, u.a. Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten)

  • Praktika während des Studiums und in einem Praxisjahr

  • Berufserfahrungen in der Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation

Zur informellen Überprüfung von Teilqualifikationen stehen Mentoren des BDP-Fachbereiches und der DGPs-Fachgruppe zur Verfügung.

Die Zertifizierungsprozedur mit Überprüfung und Ausstellung des Zertifikates erfolgt über die DPA GmbH.

2.3 Dienstleistungsbezeichnung nach der Zertifizierung

Das Fortbildungszertifikat berechtigt dazu, die Bezeichnung 'Psychologische Gesundheitsförderung und Prävention BDP' für angebotene Dienstleistungen zu nutzen, die den Leitsätzen des BDP zur psychologischen Gesundheitsförderung entsprechen.

Zum Merkblatt über Dienstleistungen „Psychologische Gesundheitsförderung und Prävention BDP“ gemäß den „Leitsätzen zur psychologischen Gesundheitsförderung“